Schulpsychologie und Psychiatrie werden's nicht richten
- ÖKSB - Wien
- 10. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit

In letzter Zeit hört man häufig vom erhöhten Bedarf an Schulpsychologie und Schul-Sozialarbeit. Minister Wiederkehr hat auch zu den 190 existierenden Posten zusätzliche 70 im kommenden und weiter 70 im Jahr darauf zugesagt. Auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie fordert mit Recht mehr Plätze.
Aber wird das langfristig das Problem lösen?
Kaum jemand fragt nämlich: Was ist vor dem Gang zur Schulpsychologin oder in die Psychiatrie? Was beeinträchtigt unseren Nachwuchs zunehmend? Meistens hört man: Corona, das hätte die Kids verstört. Aber reicht das?
Fachleute aus Kinder-und Jugendpsychiatrie, aus der Sozialarbeit, aber auch Jugendrichter, die mit straffällig gewordenen Jugendlichen zu tun haben, berichten durchwegs von jungen Menschen, die in ihrer Geschichte eine Menge Beziehungsabbrüche, Vernachlässigungen, zu wenig Zeit und Zuwendung der Eltern u.a.m. erlebt haben.
Es seien letztlich Kinder, die "vom System nicht gewollt" werden. Von welchem System? Einer gehetzten Gesellschaft, deren Arbeitswelt und mittlerweile auch die "Konsum- und Freizeitindustrie" jede Menge Stress und Zeitmangel erzeugt, wo für viele Kinder, besonders aus sozial schwächeren, stark unter Druck stehenden, armutsgefährdeten Familien viel zu wenig Zeit und damit Aufmerksamkeit bleibt.
Kinder und Jugendliche, die in Schule und Berufsfindung Schwierigkeiten und zu wenig Unterstützung finden. Dazu kommen Zukunftsängste, wirtschaftliche Unsicherheiten, was aus ihnen werden wird, auch die Sorge um den Klimawandel und Vieles mehr – nicht zuletzt die Verführungen von Internet- und Social-Media-Angeboten, die den Druck, wie man "richtig" zu sein hat, oft noch erhöhen.
Man müsste also, so schwierig der Blick auf das Ganze ist, fragen, was in der Gesellschaft, in der Arbeitswelt und Erziehung insgesamt schief läuft. Eine "undankbare" Aufgabe, müsste man doch das von vielen angebetete, angeblich bestmögliche Wirtschafts- und Konsumsystem hinterfragen. Das ist nicht nur schwierig, sondern auch unbeliebt.
Univ.Prof. Dr. Josef Christian Aigner,
ehem. Universität Innsbruck




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