
Charta des Kindes
12 grundlegende Vorschläge
nach Günter Pernhaupt und Hans Czermak
(Die gesunde Ohrfeige macht krank 3.Auflage 1991)
1. Gib die Schläge nicht weiter, die man dir einst verabreicht hat!
Dadurch wird die Bitterkeit gegenüber deinem eigenen harten Kinderschicksal nicht gemildert. Die unbereinigten Auseinandersetzungen mit deinen Eltern kannst du nur mit diesen selbst austragen, sicherlich aber nicht auf der "Erziehungsfläche" deines Kindes.
2. Schläge sind für beide Teile ungesund.
Die "gsunde Watsch'n" ist nur einer der unzähligen Erziehungsirrtümer, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Halte deine Hand im Zaum, denn die schlagende Hand richtet mehr Böses an, als die streichelnde wieder gutmachen kann. Verlängere auch niemals deinen strafenden Arm durch ein "Züchtigungswerkzeug". Damit würde deine Erziehung in die Nachbarschaft der Folter geraten.
3. Verzichte auf Strafen, Schimpfen, Brüllen und Drohen!
Du erzeugst damit in deinem Kind nur Trotz, der dich wiederum zum Schimpfen, Brüllen, Drohen und Strafen provoziert. Strafen schaden mehr, als sie nützen.
4. Vermeide unsinnige Befehle und Verbote,
die du selbst nicht einhalten könntest. Du hast dann viel weniger Anlass, dein Kind zu ermahnen oder es zu bestrafen.
5. Erziehung ist nicht Dresur.
Erziehe dein Kind in der Freiheit seines Willens. Ob es dich liebt oder nicht hängt weitgehend davon ab, wie sehr du es liebst, ohne ihm seine Freiheit zu rauben.
6. Verwöhne dein Kind schon am Beginn seines Lebens!
Lass es viel bei dir sein, trage es als Baby am Körper, streichle es mit deiner Hand und wärme es mit deiner Haut.
7. Prüfe ob dein Erziehungsstil nicht eher auf deine eigene Annehmlichkeit gerichtet ist, als auf das Wohl deines Kindes!
Erkenne die Bedürfnisse deines Kindes und deine eigenen!
8. Sei dir selbst gegenüber kritischer, als du es gegenüber deinen Kindern und deiner Umwelt bist!
Es ist lohnender, sich selbst zu ändern, als andere. Dauerkritik ist unerträglich und macht das Kind erst "trotzig" oder "schlimm".
9. Beruhige dich selbst,
wenn du glaubst, dein Kind nicht mehr ertragen zu können. Der "Bengel", die "Nervensäge" ist nur deswegen so lästig, weil du noch immer nicht erkannt hast, was er wirklich nötig hat.
10. Lebe deinem Kind vor, was du von ihm verlangst.
Dein gutes Beispiel regt dein Kind mehr an, als deine Forderungen oder Verbote. Nur so lernt es, sich im Leben zu behaupten, nämlich an dem Beispiel, das du ihm gibst. Es gibt nur ein Leben MIT dem Kind, weder für oder gegen es, noch über oder neben ihm.
11. Sieh deinem Kind mindestens ebenso viel nach wie dir selbst!
Würdest du für jeden Fehler bestraft, hättest du auch kein schönes Leben. Zeige deinem Kind vielmehr, was und wie man etwas besser machen könnte. Versuche auch zu ertragen, dass dein Kind manchmal versagt oder manches vergisst, wie wir Erwachsene übrigens auch.
12. Deine Kinder sollen es ruhig einmal besser haben,
als du es gehabt hast, das Leben wird auch deine Kinder vor genügend Herausforderungen stellen.
Zitate H. Czermak/G. Pernhaupt
Die gesunde Ohrfeige macht krank, 3. Auflage 1991
"Was immer wir für eine weltanschauliche oder sonstige Haltung einnehmen mögen, die Kinder sind in unsere Obhut gegeben, damit wir für ihre leib-seelische Einheit sorgen und sie behüten. Wir müssen über ihr wunderbares Wesen wachen - bei Tag und bei Nacht, so gut wir eben können-, bis sie auf eigenen Füßen stehen."
