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Verantwortung oder: Eltern haften für ihre Kinder!?

Verantwortung heißt unter anderem, dass ein Akteur für seine Handlungen bzw die damit verbundenen Handlungsfolgen einzutreten hat. Dies setzt sowohl Handlungsfreiheit als auch die Fähigkeit, die Folgen des eigenen Tuns vorherzusehen oder zumindest einschätzen zu können, voraus.


Wenn man für etwas oder jemanden Verantwortung übernimmt, bedeutet dies, dass man sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass – im Rahmen der eigenen Möglichkeiten - alles möglichst gut läuft, indem das jeweils Richtige und Notwendige getan wird und kein Schaden entsteht.


Das sind zwei halbwegs verständlich geschriebene Definitionen von „Verantwortung“, die ich finden konnte. Trotzdem muss ich mir diese Sätze gut durchlesen, um sie wirklich begreifen zu können.


Und das sollen Kinder/Jugendliche unter 14 Jahren in vollem Umfang nachvollziehen? Und dann, wenn sie Straftaten begangen haben, mit Gefängnis bestraft werden?


Aus der Kindererziehung wissen wir, dass Kinder Regeln einhalten und Grenzen beachten am besten dann lernen, wenn sie mit logischen Folgen ihres Tuns konfrontiert werden, nicht wenn die Erwachsenen sich möglichst rigide Strafen ausdenken.


Die „Presse“ schreibt hierzu u.a.:

Es hilft auch recht wenig, amtsbekannte Jugendliche immer wieder laufen zu lassen und darauf warten zu müssen, dass sie strafmündig werden.


Vonseiten der Bewährungshilfe heißt es, dass Jugendliche im Gefängnis keine tauglichen Regeln lernen, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.


Was, wenn sie diese Regeln auch nicht in Freiheit finden? Jugendliche Delinquenten verbindet oft ein schwieriges Familienumfeld, Gewalterfahrung und das Durchrutschen zwischen allen Strukturen.


Wenn wir nun nach strengeren Strafen rufen, das Alter für Strafmündigkeit herabsetzen und Kinder wegsperren, ist es meiner Meinung nach ein weiterer Beweis für das Versagen unserer Gesellschaft.


Die Kinder/Jugendlichen sollen die Verantwortung dafür übernehmen, dass wir es nicht geschafft haben, sie auf ihrem Weg ins Erwachsensein so zu begleiten, dass sie diesem Leben gewachsen sind?


Wo sind die Stimmen, die danach verlangen, Eltern und PädagogInnen bei ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen, statt sie allein zu lassen?


In der Medizin wird mittlerweile anerkannt, dass bestimmte Krankheiten durch Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen erst gar nicht entstehen müssen.


Viele Probleme in der Kindererziehung könnten prophylaktisch vermieden werden, wenn wir mehr Geld für die Elternberatung und Schulung zur Verfügung stellen würden.


Manche Familien brauchen Hilfe von SozialpädagoInnen, ErziehungsberaterInnen etc., die mit ihnen zu Hause arbeiten, und zwar spätestens nach dem ersten schweren Zwischenfall der zeigt, dass da etwas „aus dem Ruder läuft“. LehrerInnen sollten Unterstützung in Form von kleineren Klassen, genügend Räumen mit kindgerechter Ausstattung und personeller Begleitung von Fachleuten erhalten.


Stattdessen erwarten wir immer mehr von Eltern, sie sollen voll berufstätig in ihrer Freizeit ihre Kinder gut erziehen, sodass diese eines Tages gut funktionieren. Von den LehrerInnen erwarten wir immer bessere Leistung zu immer schlechteren Bedingungen und schreien am Ende nach harten Strafen für die Jüngsten, die schlicht und ergreifend auf das reagieren, was wir ihnen zur Verfügung stellen.


Mit Schuld beschweren wir uns und andere. Mit Verantwortung beziehen wir Stellung und geben Antworten für die Lösung von Problemen.


Cornelia Türke



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