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Darum gehts


Ein sieben Monate altes Mädchen, die kleine Katharina aus dem niederösterreichischen Bruck an der Leitha, wartet auf eine dringende Herz-OP. Bereits mehrmals wurde der Termin aufgrund der Corona Situation in Linz wegen akuten Platzmangels verschoben, zuletzt nur eineinhalb Stunden vor der OP!


In Salzburg liegen mittlerweile mehrere unter Dreijährige in der Kinderklinik und ein schwer betroffener Fünfjähriger auf der Intensivstation. Diese Kinder sind nach derzeitigem Stand der Impfpolitik per se noch ungeschützt und nach einem ORF-Bericht gehen die Zahlen bei Kindern und Jugendlichen derzeit "durch die Decke" (unfassbar deshalb auch, dass im Kindergarten noch 45% der Tätigen ungeimpft sind).

Für mich bedeutet das einen noch größeren Anspruch an alle, die mit Kindern arbeiten, oder Alten, sich und andere nach Möglichkeit (keiner spricht von absoluter Sicherheit) zu schützen, indem wir uns immunisieren.

Und ja, "prinzipiell" könnte eines der Kids auch ein Geimpfter angesteckt haben, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist um ein Vielfaches geringer. Darum gehts.

Mittlerweile lässt sich die Entwicklung der Infektionszahlen nur noch mit einem österreichweiten Lockdown bewältigen, doch die Schulen und Kindergärten bleiben geöffnet und der Unterricht findet weiterhin in Präsenz statt, wenn „Eltern dies für das Beste halten“.

Wer aber fragt die Eltern der herzkranken Katharina, was diese für ihr Kind möchten?

Sie haben keine Möglichkeit mehr sich zu entscheiden. Sie sind verurteilt zu warten und auf unsere Solidarität zu hoffen.

Das Recht auf Bildung, das Recht auf soziale Kontakte, das Recht Freundschaften zu pflegen und Freizeitbeschäftigungen nachzugehen, steht jedem Kind zu, solange es nicht im Widerspruch zum Recht auf Leben und dem Recht auf Gesundheit anderer Kinder steht.

Eine große, ja einhellige Mehrheit von WissenschaftlerInnen auf der ganzen Welt halten die Corona-Impfung für ein geeignetes, manche für das einzige Mittel, um mit der Pandemie fertig zu werden. Die Zahlen aus den europäischen Ländern mit hoher Durchimpfung bestätigen dies eindrucksvoll.

Ich denke, wir brauchen alle ein gewisses Grundvertrauen in die Seriosität und Verantwortung von Wissenschaft - bei aller berechtigten Wissenschaftskritik (ich wäre der Letzte, der das bestreitet). In der Weigerung, diese Tatsachen anzuerkennen, scheint mir nicht nur Angst/Unsicherheit, für die ich Verständnis habe, eine Rolle zu spielen, sondern bei manchen auch eine zumindest unbewusste Hybris, dass man gemeinsam mit einer Minderheit besser wüsste, was notwendig sei und man es mit dieser Haltung auch in der Hand habe, diesen Problemen zu entgehen. Aber was ist mit der ganzen Gesellschaft, die einer Lösung harrt?

Als mit einer lebensbedrohlichen Krankheit Konfrontierter musste ich mich damals auch mit der durchaus vorhandenen Kritik (an der "Youtube-University") an der Schulmedizin, etwa gegen jede Chemotherapie, auseinandersetzen. Ich habe mich aber - auch in Annahme meiner Hilflosigkeit - dafür entschieden, mich dieser weltweit praktizierten Praxis anzuvertrauen, auch wenn ich nebenbei immer alternative Heilmethoden praktiziert habe. Hätte ich das vorhandene und verbreitete Misstrauen gegen die herkömmlichen Krebstherapien (noch haben wir halt keine besseren) zu meinem gemacht, wäre ich heute wohl nicht mehr da.

  • Ja, die Impfung ist schneller als andere entwickelt worden; aber noch nie war so viel Forschung in kurzer Zeit aktiviert worden, um geeignete Vakzine zu finden, und Milliarden von Impfungen (immer noch ungerecht verteilt auf der Welt) haben gezeigt, dass sie in diesem Sinne wirkt.

  • Ja, die Impfung schützt nicht lückenlos (wie jede andere auch), aber die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, erst recht schwer, ist massiv gesenkt.

  • Ja, es liegen auch Geimpfte in den Spitälern, aber wesentlich weniger als Ungeimpfte.

  • Ja, Einzelne fürchten bei der Impfung ein gesundheitliches Risiko, aber es sollte uns allen um Risikoabwägung gehen, nämlich was ohne Impfung wesentlich Schlimmeres passieren kann.

  • Ja, es gibt sogar Geimpfte auf Intensivstationen, sehr wenige und fast immer aber mit entsprechenden schweren Vorerkrankungen.

Dass wir uns heute, am Tag der Rechte des Kindes, kurz Zeit nehmen um nachzudenken, welche Auswirkungen unsere Einstellungen zu Wissenschaft und Impfungen auf unsere Kinder haben – Darum geht’s.

Dass wir Kinderrechte nach ihrer Dringlichkeit verstehen und das Recht auf Überleben und Gesundheit höher bewerten, als das Recht auf Bildung, Freizeit oder persönliche Freiheit – Darum geht’s.

Kinder wie die kleine, herzkranke Katharina bekommen sonst vielleicht niemals die Chance ihr Recht auf Bildung in einem Kindergarten oder in einer Schule in Anspruch zu nehmen.

Kinderleben zu schützen. Darum geht’s.


Univ.Prof. Dr. Dr. h.c. Josef Christian Aigner Psychoanalytiker, Psychotherapeut, Bildungswissenschaftler Weiherburggasse 27 i, A-6020 Innsbruck

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