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Gewaltschutzpaket 2021 - von „Äpfeln und Birnen ..."

Aktualisiert: 28. Okt. 2021


Gewalt in Beziehungen und Familien nimmt offensichtlich kein Ende und mit großem Bedauern haben wir die Berichterstattung über den 22. Femizid (Frauenmord) im aktuellen Jahr vernommen.

Um diesem Zustand Einhalt zu gebieten, wurde am 12. Mai 2021 im Ministerrat ein Budget von 24,6 Millionen Euro für themenbezogene Maßnahmen beschlossen. Die Auszahlungen erfolgten ab dem 1. Oktober dieses Jahres, an ausgesuchte Organisationen.


„Business as usual“– der Streit ums Fördergeld

Bei der Verteilung dieses Budgets sind einige, sich selbst als „etablierte“ Opferschutz- und Gewaltschutzeinrichtungen bezeichnende, nicht berücksichtigt worden.

Sie fordern schon seit geraumer Zeit 228 Millionen Euro pro Jahr und die Schaffung von 3000 neuen Arbeitsplätzen in ihrem Umfeld. Welche Gründe das Familienministerium und das Innenministerium bewegt hat, andere Organisationen mit den zusätzlichen „Geldmitteln“ auszustatten und mit der Führung der neun neu gegründeten Gewaltschutzzentren zu beauftragen, wissen wahrscheinlich ausschließlich Frauen-und Familienministerin Susanne Raab und Innenminister Karl Nehammer. Die Wiener Stadtregierung hat sich auf eine Erhöhung des bisherigen Budgets geeinigt und übergibt 10 Millionen Euro für den Schutz von Frauen und Kindern, vor Gewalt, an ausgesuchte Institutionen in Wien.


Das Problem an den Wurzeln „bearbeiten“ – Leider Fehlanzeige


Sowohl in Wien als auch in den neu gegründeten Gewaltschutzzentren (ein Zentrum je Bundesland) sind die geförderten Maßnahmen „altbekannt“. Gleichzeitig werden die Übergriffe (inklusive Femizid-Fälle) und das Arbeitsaufkommen bei Polizei, Justiz, Opfer- und Gewaltschutzeinrichtungen sowie in österreichischen Spitälern, durch die Behandlung der Verletzten, nicht geringer.

Wann haben Entscheidungsträger*innen den Mut, neue Wege zu „gehen“ und Maßnahmen der „Primären Präventionsarbeit“ mit ausreichend Budget und Möglichkeiten zu unterstützen?


Von Äpfeln und Birnen - Primär ist besser als Sekundär oder Tertiär


Wir wünschen uns, dass der Primären Präventionsarbeit viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und der Begriff „Gewaltprävention“ so verstanden wird, dass Gewalt durch präventive Maßnahmen verhindert wird, bevor sie passiert.


Gewalterfahrungen in der Erziehung können für ein Kind und dessen Entwicklung so prägend, negativ sein, dass in späteren (Erwachsenen)Jahren Gewalt zur Konfliktlösung oder Bedürfnisbefriedigung eingesetzt wird. Ein präventives, frühzeitiges Unterstützen von Familien sollte daher an „oberster“ Stelle stehen.


Gewalt zu vermeiden, setzt voraus, diese überhaupt erkennen zu können. Daher haben der Österreichische Kinderschutzbund Wien und die Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten eine zielgerichtete Broschüre, „Ist das schon Gewalt?“, erstellt. Diese gelungene Broschüre und den dazugehörigen Workshop für Eltern/Erziehungsberechtigte sowie Pädagogen*innen, können Sie gerne beim ÖKSB-Wien anfordern.



Sekundäre und Tertiäre Gewaltprävention haben ihre Notwendigkeit und Berechtigung (Anmerkung: Gerichtlich weggewiesene Gewalttäter*innen müssen einen sechsstündigen Lehrgang besuchen). Gleichzeitig zeigen hohe Investitionen in diese Maßnahmen, dass zu vorige Versagen von Politik und Zivilbevölkerung auf, um für ein friedvolles Miteinander zu sorgen. „Hinschauen“ und Handeln statt „Wegsehen“ ist sehr wichtig!


„Der Friede auf Erden beginnt in den Kinderzimmern“

„Jedes Kind hat das Recht auf eine glückliche Kindheit“ (Univ. Prof.-Dr. Hans Czermak)



Es macht Sinn, Familien vor bzw. spätestens nach der Geburt ihres Kindes zu betreuen und zu begleiten. Je nach Bedarf sollten einzelne Familienmitglieder „gefördert“ und gesamte Familien „besucht/unterstützt“ werden.


Als Einstieg in diese Beziehung zwischen Familien und Fachkräften sollte für alle werdenden Eltern in Österreich ein Angebot mit dem Mutter-Kind Pass gekoppelt sein.

Information, Basisberatung, Anfangsbegleitung, Hausbesuche, weitere Fördermaßnahmen, je nach Bedarf, Wunsch der Familie und Einschätzung durch Experten*innen der Kinder- und Jugendhilfe, ausgebildeten Erziehungsberater*innen und falls erforderlich weiteren Fachkräften aus dem psychologisch/psychotherapeutisch/medizinischen Bereich.

"Vorbeugen ist besser als Heilen" - der Erhalt der Gesundheit hat immer die höchste Priorität. (Hippokrates).


Erlebte, gespürte, gesehene Gewalt kann krank machen und schmerzhaft sein. Daher sollten sich auch die Mitarbeiter*innen des Sozialministeriums aufgefordert fühlen, sich bei der Problemlösung zur Gewaltvermeidung zu beteiligen. Bis jetzt tun sie das (noch) nicht und in einer schriftlichen Stellungnahme dieses Ministeriums, vom 17. September 2021 (Geschäftszahl: 2021-0.552.293), nach einer Anfrage des ÖKSB - Wien vom 26. Juli 2021, wurde das oben skizierte Vorhaben abgelehnt. Die Begründung des für den Bundesminister ausführenden Sachbearbeiters war, dass der Mutter-Kind-Pass zwar ein Vorsorgeinstrument mit medizinischen Untersuchungen und Beratungen in der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren des Kindes ist, gleichzeitig jedoch Elternbildung/-beratung wenig geeignet erscheint, erwünschte Verhaltensänderungen bei Eltern zu bewirken.

Aus jahrelanger Erfahrung als Erziehungsberater und Elternbildner sowie nach Auswertung von vielen Teilnehmer*innen - Feedbackbögen, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass sich der Mitarbeiter von BM Mückstein im Irrtum befindet.


Elternbildung und Elternberatung wirken sich positiv auf das Verhalten von Eltern/Erziehungsberechtigten aus.


Sascha Hörstlhofer, BA

Obmann und Referent ÖKSB-Wien


Quellenverzeichnis:

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