Der Wut (N)igel!

Wie Kinder lernen, mit ihren Emotionen umzugehen


Ein konstruktiver Umgang mit Emotionen ist eine wichtige Kompetenz, welche Kinder und Jugendliche im Laufe ihrer Entwicklung erwerben müssen. In der Psychologie wird diese Fähigkeit Emotionsregulation genannt. Viele Kinder haben Schwierigkeiten, mit dem Gefühl der Wut umzugehen und nicht wenige Eltern fragen sich, mitunter ziemlich verzweifelt, wie sie ihre Kinder davon abbringen können, andere Kinder zu schlagen, Dinge zu zerstören oder jemanden mit wüsten Schimpfwörtern zu beleidigen, wenn sie wütend werden.

Unterstützung erhalten Kinder, Eltern und Pädagogen von Carmen Hron, Puppenspielerin aus Leidenschaft und Autorin humorvoller und sensibler Kasperlstücke.

Der "Sandkasperl" weiß genau, wie er dem kleinen Igel helfen kann, mit seiner Wut umgehen zu lernen. Er hat Verständnis dafür, dass hinter der Wut des kleinen Igels handfeste Gründe stecken, die ihn eigentlich mehr traurig als wütend machen.




Um mit dem Gefühl der Wut umgehen zu können, braucht das Kind verschiedene Fähigkeiten:

  1. Es benötigt die Fähigkeit sich selbst zu beobachten, um zu erkennen, wie es sich im Körper anfühlt, wütend zu werden. Kasperl fragt im Stück "Wut (N)igel" den kleinen Igel: "Wo im Körper spürst du die Wut?" Der kleine Igel antwortet: "Im Bauch und das kribbelt so und ich könnte aus der Haut fahren." Nur wenn Kinder bemerken, dass sie wütend werden, können sie (rechtzeitig) versuchen sich selbst zu beruhigen.

  2. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit deren Hilfe Kinder sich selbst beruhigen können, wenn sie fühlen, dass sie wütend werden. Diese Möglichkeiten gilt es zu finden und zu trainieren. Im Kasperlstück zeigt Carmen Hron Kindern und Eltern, einige Beispiele: Das tiefe Atmen, Bewegung zu machen oder in einen "Brülleimer" zu schimpfen.

  3. Um mit Gefühlen von Ärger und Wut umgehen zu lernen ist es wichtig, darüber nachdenken zu können, welche Gründe die Wut ausgelöst haben und darüber zu sprechen. Kinder sollten die dahinter liegenden Probleme erkennen und (wenn nötig mit Hilfe!) gewaltfreie Lösungen finden können.


Wie Erwachsene Kindern helfen können, diese Fähigkeiten zu entwickeln:


...durch einfühlsames Zuhören

Einfühlsames Zuhören bedeutet dem (wütenden) Kind die gesamte Aufmerksamkeit zu schenken, ihm zuzuhören, zu versuchen seine Gefühle zu erkennen und zu benennen: "Ich sehe, dass du wütend bist."

Es bedeutet, das Kind in Ruhe erzählen und aussprechen zu lassen, es nach den Gründen für seine Wut zu fragen. Wichtig ist, Verständnis für die Ursachen der Wut aus Kinderperspektive zu zeigen und diese nicht zu relativieren. Kinderprobleme sollten, auch wenn sie Erwachsenen klein, unwichtig oder harmlos erscheinen, immer ernst genommen werden!


... indem sie klare Grenzen setzen und alternative Handlungsweisen anbieten

Wir vermitteln dem Kind, dass es wütend sein darf gleichzeitig jedoch auch, dass es nicht ok ist, aus Wut andere zu verletzen, oder Dinge kaputt zu machen.

Kinder brauchen Möglichkeiten, ihre Wut auszuleben, wenn eine Situation für sie zum "aus der Haut fahren" ist: Darf das Kind einen Boxsack benützen, oder in ein Kissen schlagen, eine alte Zeitung zerreißen oder in einen "Brülleimer" brüllen?


...indem sie Vorbilder sind!

Der kleine Igel fragt den Kasperl, "ob alle manchmal wütend werden?!" Kinder schauen sich ab, wie Erwachsene mit ihren Wut - Gefühlen umgehen. Hilfreich ist hier einerseits sich selbst gut zu beobachten und zu erkennen, wie das eigene Verhalten auf die Kinder wirkt, andererseits die eigenen Gefühle und das eigene Verhalten in Sprache zu fassen. Das bedeutet, mit den Kindern darüber zu sprechen, dass "ich wütend bin, warum ich wütend bin und was ich jetzt mache, damit ich mich wieder beruhigen kann, um hinterher das zugrundeliegende Problem zu lösen."


...indem sie ihren Kindern Spiele, Malvorlagen, Bücher oder Kasperlstücke 😊 anbieten,

welche sich mit dem Thema "Wut" oder mit dem Thema "Gefühle" beschäftigen.




Martina Lemp

Pädagogin, Erziehungsberaterin

www.freudemitkindern.com


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