Die vergitterte Welt 
Mit 16 im Jugendgefängnis

von Jana Frey
Verlag: Loewe, Frankfurt am Main
176 Seiten, €11,30 ISBN: 3-7855-4987-3

» Überall waren immer Probleme « - Juli lebt von klein auf in einer Welt, in der Unbeschwertheit ein Fremdwort ist. Der Vater verschwunden, die Mutter Trinkerin, der Freund der Mutter, Adam, sein einziger Lichtblick, weil er sich mit ihm beschäftigt, ihm Geschichten erzählt, ihn ernst nimmt. Dass Adam seine Mutter schlägt und wegen seiner Betrügereien regelmäßig in diversen Strafanstalten einsitzt, realisiert er erst nach Jahren.

Die Gewalt und Tristesse, von der Juli umgeben ist, bringen es mit sich, dass er selbst in Konfliktsituationen auch keine anderen als Gewaltakte setzt. Seine Jugendjahre sind damit vorgezeichnet: Besuche von der Sozialfürsorge, Schulschwänzen, erste Diebstähle, die Bekanntschaft mit Noah, der bereits seit längerer Zeit trank und stahl und Juli ein treuer Begleiter wird. Juli verbringt die Tage mit Noah und träumt nachts von Mia, einem Mädchen, das ins Gymnasium geht und unerreichbar scheint.

Nach einem Raubüberfall auf einen alten Mann landet er in einem Jugendheim; nach einer versuchten Vergewaltigung in einer Jugendarrestanstalt, nach einer brutalen Schlägerei im Jugendgefängnis für ein Jahr ohne Bewährung. In dieser Zeit beginnt er zu schreiben, schickt Briefe an Mia, die ihn auch besuchen kommt, die ein Anker für ihn wird. Juli gibt es, laut Epilog, wirklich und er lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft. Seine Chancen, ein besseres Leben zu führen, als er es kennen gelernt hat, stehen nicht schlecht.

Die Geschichte, die Jana Frey aufgeschrieben hat, zeigt, wie vielen Gewaltsituationen deprivierte Jugendliche ausgeliefert sind und wie schwierig es für Jugendliche sein kann, gewaltfrei zu agieren, wenn sie keine (familiäre) Unterstützung dabei finden. Die überforderte Mutter hat selbst Jahre gebraucht, um Hilfe von außen anzunehmen und sich ihre Sucht einzugestehen. Vater und Stiefvater haben dem Kind nur vorgelebt, dass sie verschwinden, wenn es brenzlig wird.

Dass es der Junge schaffen kann, liegt vielleicht auch an der Unterstützung durch einzelne SozialarbeiterInnen; das Buch zeigt auch, wie wichtig ein begleiteter Jugendstrafvollzug ist und dass es nach dem Gefängnis unbedingt konsequenter Betreuung und Beratung bedarf. Damit die Jugendlichen ihre Träume nicht verlieren.

Karin Dobler

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