Dr. Chickensoup

Welsh, Renate (2011): St. Pölten – Salzburg
Residenz Verlag (Nilpferd in Residenz), 144 S., € 13,90.

Julia und ihre Mutter zählen zu jenen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben. Für Julia ist es tägliche Realität, zu wenig Geld zu haben – sie hat keinen Laptop, wird nicht mehr zu Geburtstagspartys eingeladen, weil sie selbst keine geben kann, fährt nicht auf Projektwoche mit.

Die angespannte finanzielle Situation ist ständiges Gesprächsthema zuhause; wenn Julias Mama nicht selbst darüber spricht, erledigt das die Oma, die mit der Lebensweise ihrer Tochter ganz und gar nicht einverstanden ist und das auch deutlich zu verstehen gibt. Und doch ist es die Oma, die Unterstützung gibt, als die Mama mit einer Blutvergiftung zuhause liegt- und nicht nur, weil sie ihre Hühnersuppe kocht.

Julias neue Freundin, Leyla, versteht Julia, nicht aber, dass es Menschen in Österreich gibt, die arm sind. „Du bist Deutsch-reich in Österreich, ich Deutsch-arm, passt nicht in Öster-reich.“

Was bedeutet es tatsächlich, in einem reichen Land wie Österreich arm zu sein? – Renate Welsh gelingt es das aus der Perspektive eines jungen Mädchens zu sehen, deren Alltag zu beschreiben, die Momente herauszuarbeiten, wo das fehlende Geld die Chance der Teilhabe am sozialen Leben schmälert. Die ausdrucksstarken Zeichnungen von Friederike Grünstich mildern mitunter die Schärfe der Botschaft. Dr. Chickensoup hat gute Chancen, als Klassenlektüre in die Schulen der Sekundarstufe 1 einzuziehen!

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