Verein für gewaltlose Erziehung

Auszüge aus unserer Zeitung KINDERSCHUTZ AKTIV.
Editorial Kinderschutz Aktiv Nr. 85
Sie haben das erste Heft des Jahres 2010 vor sich liegen. Das Jahr ist noch jung und wir wissen noch nicht ganz genau, was es uns alles bringen wird, aber wir werden gut daran tun, uns in Bescheidenheit zu üben. Im abgelaufenen Jahr 2009 waren die Erwartungen vieler Kinderschutzorganisationen in Bezug auf eine mögliche Verbesserung der Situation der Kinder in Österreich hoch und das Stimmungsbild durchwegs positiv. Wenn wir uns allerdings die Problemkreise „Kinderrechte in die Verfassung“ und „Minderung der alltäglichen Gewalt gegenüber Kindern“ heute näher betrachten, konnte die Messlatte, die hätte übersprungen werden müssen, um Fortschritte in diesen Bereichen als Erfolg darzustellen, nicht annähernd erreicht werden.. Konkret gesprochen stehen wir alle, denen Kinderschutz ein Anliegen ist, mit leeren Händen da und doch ist einiges passiert, was Hoffnung nährt. Noch nie gab es so viele Netzwerkbildungen und Kooperationen in Sachen Kinderschutz wie letztes Jahr. Vieles wird künftig von einer breiten Basis getragen werden. Das bedeutet, dass es auch jenen, die den Fragen, die uns bewegen, nur distanziert gegenüberstehen, schwerer fallen wird, sich dem Kinderschutzgedanken zu verschließen. Dabei sind die Fragen, um die es uns geht keine partiellen Probleme, die schnell abzuhaken sind. Immer mehr kommen wir dahinter, dass Entwicklungen, die negative Folgen für Kinder und Jugendliche haben, auch an das gesellschaftliche Ganze gebunden sind und damit gibt es auch eine nicht so einfach abzuschüttelnde politische Verantwortung für Gewalt-erscheinungen, denen Kinder ausgesetzt sind.
Wir, vom Verein für Gewaltlose Erziehung haben aktuell an einem Vorhaben mitgewirkt (siehe Zeitschrifteninneres), in dem die stillende Mutter in den Mittelpunkt einer Ausstellung und eines Buchprojektes gestellt wurde. Dabei ging es uns vor allem darum, darauf hinzuweisen, dass der Akt des Stillens wohl der Beginn und der Inbegriff gelebter Gewaltlosigkeit sein kann, dass aber aktuelle soziale und wirtschaftliche Zwänge, diese Erfahrung, die ja eigentlich der zentrale Ausgangspunkt für eine gewaltfreie Erziehung sein sollte, be- und vielfach sogar verhindern. Damit sind wir bei einem zentralen Kern unserer Ambitionen.
Arbeiten wir doch alle gemeinsam dafür, dass Kindern diese Ur-erfahrung positiver menschlicher Interaktion nicht durch einen Prioritätenwechsel entzogen wird, hinter dem exklusiv wirtschaftlich materielle Überlegungen stehen. Dazu bedarf es primär eines Bewusstseins, das die zunehmende Marginalisierung von Kindern an der Nahtstelle zwischen System und Lebenswelt verhindert. Dieses Bewusstsein gilt es weiter zu entwickeln.
Ich wünsche Ihnen ein frohes Osterfest und bleiben Sie uns bitte gewogen, Ihr
Christian Vielhaber
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