Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Auszüge aus unserer Zeitung KINDERSCHUTZ AKTIV.

Editorial Kinderschutz Aktiv Nr. 82

Erwachsene neigen leider dazu, Kinder und Jugendliche zu unterschätzen und zwar in allem, was sie tun. Zu vielen ist allerdings nicht bewusst, dass sie gerade dadurch jene Distanz zu den Jungen produzieren, die sie, die Erwachsenen, oft lauthals beklagen und zwar immer dann, wenn es ihnen gerade passt: „Ich versteh diese Jugend nicht. Da bemüht man sich, tut alles und nichts kommt zurück!“ Kommt Ihnen das bekannt vor?

Doch alle Einschätzungen sind Produkte individueller Wahrnehmung mit ihren Vorläufen und ihren Geschichten. Diese beginnen schon sehr früh, nämlich in einer Zeit, in der Kinder die Erwachsenen oft nicht verstehen, ihnen aber voll vertrauen, bis die Zeit kommt, in der sie zu verstehen beginnen. Mit zunehmendem Verstehen schwindet allerdings häufig das Vertrauen. Zu oft wurden Kinder und Jugendliche belogen, zu oft instrumentalisiert, zu oft an den Rand geschoben, zu oft blieben legitime Wünsche und Ansprüche unberücksichtig.

Sie meinen, so schlimm wäre das heutzutage nicht mehr? Dann richten Sie doch den Blick auf unseren Alltag: Wir beklagen den Rechtsruck jugendlicher Wähler und vergessen, dass wir in den Schulen politische Bildung zu einer vernachlässigbaren Größe gegenüber dem ach so bedeutsam eingeschätzten Fachwissen verkommen ließen, da wurde erst jüngst versucht, die Jugendlichen, die auf die Straße gingen, um darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Bedürfnisse den Ansprüchen von Erwachsenen geopfert wurden, medial lächerlich zu machen: „Die meisten wissen ja gar nicht, wofür oder wogegen sie demonstrieren – haha!“

Statt Mitbestimmungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in vielfältigen Lebensbereichen zu erweitern, wurden diese eingeschränkt. Der Verlust der Mitbestimmung für Studierende an Universitäten ist dafür nur ein Beispiel. Was sie jetzt lernen ist, dass Macht gleich Recht ist. Eine tolle Perspektive, die letzten Endes zu jener Politikverdrossenheit der Jugend führt, die derzeit allgemein beklagt wird. Diese Aufzählung ließe sich noch endlos fortsetzen, wieso also wundern wir uns über die Konsequenzen? Eine neue Ehrlichkeit in der Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen täte Not. Die nahende Ferienzeit, wäre eine gute Gelegenheit, auf der untersten Ebene, dort wo Eltern mit ihren Kindern kommunizieren einen diesbezüglichen Versuch in entsprechender Augenhöhe zu starten. Ich wünsche Ihnen dazu alles Gute und Ihnen gemeinsam mit Ihren Kindern einen entspannten und gewaltfreien Sommer 2009.

Bleiben Sie uns bitte gewogen, das wünscht sich ihr

Christian Vielhaber


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