Verein für gewaltlose Erziehung

Kindheit und Kindheitsforschung in Deutschland
Forschungszugänge und Lebenslagen
Grunert, Cathleen und Krüger, Heinz-Hermann (2006)
Opladen: Verlag Barbara Budrich, 266 S. € 20.50
Wer sich von 32 Seiten Literaturliste und von Begriffen wie Theorie-Triangulation,, narrationsstrukturelle Verfahren und Kontexteinflüsse nicht abschrecken lässt, erfährt durch das vorliegende Buch Grundsätzliches über Wandlungserscheinungen in den Lebenswelten unserer Kinder.
Diese Veröffentlichung ist als wissenschaftliche Abhandlung gedacht, die bedeutsame Erkenntnisse der Kindheitsforschung präsentiert und reflektiert. Es finden sich wenig individuelle Fallbeispiele (Kinderbiographien) - der Schwerpunkt zielt vielmehr auf generelle Veränderungen in den Lebenslagen von Kindern, die an Beispiel einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Studien dokumentiert wird. Wie eignet sich Kind Raum an, wie nutzt es diverse Medien, welche Rolle hat der Computer im Leben unserer Kinder. Interessens- und Partizipationsbereiche sind ebenso Gegenstand der Problemdarstellung wie unterschiedliche Kindheitsentwicklungen im geteilten Deutschland und ihre dynamische Gleichschaltung nach der Wende.
Genderspezifische Differenzierungen im Handeln werden deutlich gemacht und auch migrationsspezifische Auswirkungen auf jugendliche Lebenswelten sind Thema. Ein vielfältiger, mitunter weniger bunter als eher grauer Reigen von Erkenntnissen wissenschaftlicher Kindheitsforschung zeigt, dass sich Kindheit nicht nur günstig entwickelt. Erstaunlicherweise bleiben im vorliegenden Buch wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit Gewalterfahrungen von Kindern auseinandersetzen, ausgespart und es fehlt auch eine einsichtige Begründung in die ausgewählten inhaltlichen Schwerpunktsetzungen. Als Anreicherung von Wissens über Kinder und Kindheit kann diese Publikation durchaus herangezogen werden, eine wertende Position mit eindeutigen Forderungen, die auf eine Verbesserung der kindlichen Lebenswelten gerichtet sind, wird man allerdings vergeblich suchen und war von den Autoren wahrscheinlich auch nicht angedacht.
Leider!
Christian Vielhaber
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