Verein für gewaltlose Erziehung

Kindeswohlgefährdung: Wahrnehmen – Bewerten – Intervenieren
Goldberg, Brigitta und Schorn, Ariane (Hrsg.) (2011)
Beiträge aus Recht, Medizin, Sozialer Arbeit, Pädagogik und Psychologie.
Opladen & Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich,
241 S, € 30.80.-

„Wie viele Kinder müssen vor ihren Eltern geschützt werden?“ Dieser eine Satz genügt, um klar zu machen, dass die Inhalte der Beiträge dieses Buches keine leichte Kost sind.
Kindeswohlgefährdung ist heute aktueller denn je, und dieses Buch liefert diesbezügliche Problembehandlungen aus unterschiedlichen Blickrichtungen. Die Herausgeberinnen treten auch als Autorinnen prominent auf: Ihre Basisinformationen zur Kindeswohlgefährdung betreffen Erscheinungsformen, Folgen und Hintergründe von Misshandlungen und setzen sich mit der Häufigkeit von Gefährdungen auseinander.
Konsequenz für die Leser/innen – teilweise Gänsehaut trotz wissenschaftlicher Schreibweise. Das ändert sich auch bei dem Beitrag von Bernd Herrmann nicht, der über medizinische Diagnostik bei Kindesmisshandlungen berichtet. Vordergründig ein wenig Erholung deuten die Beiträge von Ingrid Gissel-Palkovich und Mario Nahrwold an, die sich, ebenso wie die Herausgeberin Goldberg, mit Kindeswohlgefährdung in der öffentlichen Jugendhilfe auseinandersetzen. Aber auch bei eher formalen Abhandlungen von Rechtsfragen kehrt spätestens dann die Gänsehaut zurück, wenn Schuld- und Ursachenzuweisungen in eine eher normative sprachliche Setzung übergeführt werden und man stellt sich die möglichen Folgen vor.
Es wird nicht leichter, wenn Roland Schleiffer im letzten Beitrag in Bezug auf Heimerziehung von bindungskompetenten Erzieher/innen spricht, die über bindungstheoretisches Basiswissen verfügen sollten.
Ariane Schorn referiert vorher noch über die Stärkung elterlicher Beziehungskompetenz, wobei eigentlich kein Argument vorgetragen wird, dem man sich aus Sicht des Kinderschutzes nicht anschließen könnte.
Ich denke, in einer Zeit, in der der Begriff des Kindeswohls in so vieler, vielleicht in zu vieler Munde ist, sollte dieses Buch Pflichtlektüre für alle sein, die in diesem Metier arbeiten.
Christian Vielhaber
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