Verein für gewaltlose Erziehung

Kindesvernachlässigung – verstehen, erkennen, helfen
Galm Beate, Hees Katja und Kindler Heinz (2010)
München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag, 171 S. € 17.40.-
Zweifelsohne ist die Vernachlässigung von Kindern ein grober Gewaltakt gegen sie und doch scheuen sich viele Menschen durch Vernachlässigung hervorgerufene Auffälligkeiten bei Kindern wahrzunehmen – ganz zu schweigen von bewusster engagierter Intervention. In unserer Gesellschaft wird der Problembereich „Vernachlässigung“ zu stark vernachlässigt. Das ist der Tenor des Buches. Die beiden Autorinnen und der Autor haben mit diesem Buch ein Plädoyer verfasst, das zu vermehrter Aufmerksamkeit auffordert. Sie scheuen sich auch nicht gesellschaftspolitische Ursachen von Vernachlässigung zu benennen, wobei vor allem der Armut wesentliche Bedeutung zugemessen wird. Materielle und soziale Notsituationen dürfen nicht dazu führen, dass Kinder ohne Unterstützung, positive Bindung, Zuneigung und Liebe aufwachsen. In solchen Situationen wird auch öffentlich Hilfe zur Pflicht ebenso wie die wache Aufmerksamkeit einer sozialen Umgebung, die Verantwortung für Kinder zu übernehmen hat, auch wenn es nicht die eigenen sind und zwar je früher desto besser. Autor und Autorinnen bieten ein niederschwelliges Konzept an, das es den Leser/-innen leicht macht persönlichen Zugang zu dem Phänomen der Vernachlässigung zu finden. An Beispielen von Alltagssituationen werden Vernachlässigungs- und Unterstützungsszenarien von unterschiedlichen Blickwinkeln her betrachtet und letztlich gewinnt man den Eindruck, dass es für vernachlässigte Kinder durchaus Chancen und Hoffnung gibt, wenn rechtzeitig Hilfe angeboten bzw. interveniert wird. Damit erhebt dieses Buch auch indirekt die legitime Forderung, die an alle Menschen gerichtet ist, nämlich bei Vernachlässigungsverdacht niemals wegzuschauen. Eine unglaublich breite Literaturliste offeriert für Interessent/-innen aus allen Sozialberufen ein interessantes Publikationsspektrum, das wohl einige Überraschungen bereit hält. Empfehlenswert.
Christian Vielhaber
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