Verein für gewaltlose Erziehung

Von allen guten Geistern verlassen?
Aggressivität in der Adoleszenz.
Ahrbeck, Bernd (Hg.) (2010)
Giessen: Psychosozial-Verlag, 238 S.
Dieses Buch ist keine leichte Kost. Französische und deutsche Fachleute nehmen sich im Rahmen wissenschaftlicher Expertisen des Problems der adoleszenten Aggressivität und Gewalt an. Hinweise für Menschen, die in Alltagssituationen - oft völlig überfordert - mit adoleszenten überbordenden Gewaltäußerungen konfrontiert sind und nach Handlungsanweisungen gieren, finden sich kaum.
Die dominierende fachbezogene Schreibweise erzeugt eine eigenartige Ambivalenz. In distanzierter oft auch in neutralisierender Form wird über Aggressionsakte und Gewaltdelikte referiert, über Hass, Verlust, Ängste, Vernachlässigung, Mangel und Schmerzen und trotzdem wird deutlich, dass hinter jedem der beschriebenen Fälle menschliche Schicksale stehen, junge Schicksale, die auf dem Weg zum Erwachsenwerden aus dem Ruder gelaufen sind. Sich selbst zu mögen, gelingt in einer solche Phase fast nie und als Leser/-in spürt man die Ohnmacht der Jugendlichen und empfindet trotz der aufgezeigten drastischen Entwicklungen so etwas wie Mitleid und Sympathie. Eigenartig, dass einen ein solches Buch, das sich eindeutig an ein Fachpublikum richtet, derart berühren kann.
Wie gesagt, keine leichte Kost aber allemal die Bestätigung, dass Respekt, Anerkennung, Zuneigung und Akzeptanz den jungen Menschen gegenüber noch immer die besten Voraussetzungen dafür sind, in dieser schwierigen Lebensphase allfällige Ausuferungen in Grenzen zu halten.
Christian Vielhaber
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