Verein für gewaltlose Erziehung

Väter im Blickpunkt
Perspektiven der Familienforschung
Mühling, Tanja und Rost, Harald (Hrsg.) (2007)
Opladen und Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich, 271 S. € 20.50
Wenn schon Männer als unbekannte Wesen gelten, um wieviel mehr trifft das für die Kategorie der Väter zu. Zeit also, den Vorhang ein wenig zu lüften, um dem „geheimnisvollen Vater“ auf die Spur zu kommen. Das vorliegende Buch bietet eine Vielfalt von Einsichten in die aktuelle Väterforschung und so manche Fragen werden umfassend beantwortet.
Wussten sie beispielsweise, dass seit langem das Alter der Mutter bei dem erstgeborenen Kind statistisch erfasst wird, aber nicht das des Vaters? Warum das so ist? Nachdenken ist erlaubt. Es ist überhaupt eine der ganz großen Stärken dieses Sammelbandes, dass der Leser, die Leserin in kurzen Abständen mit Informationen versorgt werden, die zu Reflexionen über die Väterpositionierungen in unserer Gesellschaft Anlass geben.
Es beginnt mit einem Überblick über die deutschsprachige Väterforschung (erstaunlicherweise fehlt jeder Hinweis auf die Arbeit unseres langjährigen Vorstandsmitgliedes Josef Christian Aigner: „Der ferne Vater“!?), setzt fort mit Befunden über das Väterhandeln im Alltag, bietet Einsichten in Kinderwünsche von Männern und projeziert den modernen Vater ins Spannungsfeld zwischen Laptop und Wickeltisch. Fortgesetzt wird der Reigen interessanter Beiträge mit dem Problem der Zeitverwendung durch Väter, einer Darstellung der „Neuen Väter“ im europäischen Vergleich und einer Auseinandersetzung mit der Positionierung der Väter zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Den Abschluss bilden ein durchaus brisanter Beitrag über alleinerziehende Väter sowie eine durchaus anregende Studie über die Bedeutung des getrenntlebenden Vaters für die psycho-soziale Entwicklung seiner Kinder. Die Leser/-innen erwartet kein locker geschriebenes Buch, das sich als Ratgeber für alltägliche Problemsituationen versteht und deren es so viele gibt sondern seriöse Information mit teilweise wisssenschaftlicher Textierung, die aber immer gut verständlich bleibt. Sie wollen abseits der Stammtischargumente ein bisschen mehr über den Problembereich der „neuen Väter“ wissen? Mit diesem Buch sind sie wirklich gut bedient.
Christian Vielhaber
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