Verein für gewaltlose Erziehung

Stellungnahme des Vereins für Gewaltlose Erziehung - Österreichischer Kinderschutzbund zu den gewaltsamen und sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche inKirche und Gesellschaft
Der Verein für Gewaltlose Erziehung - Österreichischer Kinderschutzbund zeigt sich über die in den letzten Wochen und Monaten bekannt gewordenen Fälle von gewaltsamen und sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche schockiert und betroffen und sieht sich in seinen anhaltenden Bemühungen gegen erzieherische Gewalt in trauriger Weise bestätigt.
Insbesondere lehnen wir Gewalt, gleich welcher Form, als Erziehungsmittel grundsätzlich ab. Die in letzter Zeit bekannt gewordenen Vorfälle zeigen in schockierender Weise, wie sehr seelische, körperliche und sexuelle Gewalt in den letzten Jahrzehnten bis heute herauf immer noch in erzieherischen Verhältnissen in Schulen, Internaten, Familien und Autoritätsbeziehungnen an der Tagesordnung sind.
Diese Vorfälle sind einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig und waren es auch
schon in den 60-er und 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts, auch wenn einige
Kommentatoren in den Medien meinen, damals sei so etwas noch 'normal' gewesen.
Die Verbreitung eines Missstandes macht diesen aber noch lange nicht 'normal'.
Wir warnen auch davor, den Blick auf pädagogische Missstände zu sehr auf Fragen der Sexualität einzuengen; immer noch werden körperliche und seelische Gewalt und Demütigung verharmlost und in ihrer Bedeutung für die nachhhaltige Schädigung der Persönlichkeiten Heranwachsender unterschätzt.
Insbesondere sind kirchliche Institutionen gefordert, ihr Personal unter Bedingungen heranzubilden, die einen menschenwürdigen Umgang und eine reflexive Auseinandersetzung mit Fragen der Sexualität, der Autorität und der Gewalt beinhalten. Kinder und Jugendliche dürfen nicht länger in die Hände unausgebildeter, in ihrer Persönlichkeit unreif gebliebener oder unter unterdrückten Impulsen leidender Menschen gelangen.
Alle Verantwortlichen in Kirche und Gesellschaft seien hiermit aufgefordert, diese Dinge rückhaltlos aufzuklären und auch aus der gesetzlichen Verjährungsfrist keine Verschwiegenheit und keine Banalisierung des Vorgefallenen abzuleiten. Zusätzlich muss alles getan werden, um im Bereich der Öffentlichen Erziehung eine verstärkte Professionalisierung der Erzieherberufe unter Einschluss der Befassung des pädagogischen Personals mit Fragen der Sexualität, der Autorität und der Gewalt zu etablieren.
Obere Augartenstraße 26–28, 1020 Wien, Österreich
Telefon: +43 (0)699 - 8151 38 11 :: E-Mail :: Impressum